Gegenteiltag

Der Aktivspielleiter erzählte mir von einem Jungen der, nachdem er den ganzen Tag gewerkelt hatte, seiner Mutter abends erzählte, es sei voll langweilig gewesen. Ich hab also vermutet, es wäre wohl Gegenteiltag gewesen.

Jan-Martin: Gibt’s den echt?

Alle Kinder gucken mich mit großen Augen an.

Ich: Ja, klar.

Jan-Martin: Wirklich??

Ich: Klar, wenn ich’s doch sage. Am 25. Juni.

Sämtliche Kinder bekommen noch größere Augen vor lauter Staunen.

Jan-Martin: Boah, echt?

Da hab ich nachgegebn und gesagt, dass es den natürlich nicht gibt… ich hatte meinen Spaß. Jan-Martins Gegrummel nach zu urteilen, fand er das wohl nicht so witzig…

Fazit vom Fazit

Mein FSJ ist vorbei – und obwohl da noch einige Artikel in der Warteschlange stehen, damit die Zeit überbrückt wird, bis ich wieder was zu berichten hab, muss ich mal Fazit ziehen.

Fängt man eher mit dem negativen oder mit dem positiven an? Ich fang mal mit dem Negativen an, denn die Liste ist glaube ich kürzer.

– Seminare. Oh, ich hab Seminare gehasst. Sinnlos und langweilig und außerdem noch ne blöde Gruppe (nur Mädchen. Das ist Zickenkrieg doch quasi vorprogrammiert…)

– der Typ, der den Jugendkreis geleitet hat. Mann, der hat Probleme. Aber das will ich jetzt hier nicht ausbreiten.

– all die blöden Arbeiten, die mein Chef an mich abgeschoben hat, nicht, weil er keine Zeit dafür hat, sondern bloß, weil er keinen Bock hatte.

Aber das ist glaube ich schon alles, was irgendwie signifikant negativ war. Oh, und, dass nach einem halben Jahr die Kirchengemeinde gesagt hat, sie könnte mein Gehalt nicht mehr zahlen und ich dann betteln musste, dass der Kirchenbezirk stattdessen zahlt – aber das hat sich ja dann geregelt.

Womit wir zum Positivem kommen:

+ viele neue Leute, die mich sofort und ohne Probleme voll aufgenommen haben. Ehrlich, noch in keinem Kurs, Verein, Klasse hab ich je erlebt, dass ich so einfach akzeptiert wurde. Ich habe immer noch die Theorie, dass das einfach Jugendwerk ist.

+ die Kinder. Ich vermisse viele meiner Kids jetzt schon schmerzlich! Auch wenn sie manchmal anstrengend, nervig, frech sind… Kinder sind so dankbar; man merkt, dass man gebraucht wird. Und es gibt nichts besseres als ein Kind, dass beim Abendabschluss kommt, weil es kuscheln will. Oder dich einfach so mal kurz drückt.  Oder sagt: „Corinna, ich mag dich.“

+ Kollegen. Ob das nun Chef war, oder die Sekretärin oder noch dieser Typ, im Großen und Ganzen war Arbeiten dort echt angenehm.

+ Fachtage. Im Gegensatz zu den Seminaren waren die sinnvoll und es war ne super Gruppe – nochmal, das ist glaub einfach Jugendwerk.

+ neuer Bezug zu Gott + Glauben. Echt, davor konnte ich glaub‘ ich an einer Hand abzählen, wie oft ich im Jahr in die Kirche gegangen bin – und allein gebetet? Hab ich kaum. Da hat sich wirklich was verändert und es ist so, wie es jetzt ist, viel besser.

+ ich glaub, dass ich gelernt hab, auch einfach mal zu machen, statt bei jedem Schritt nachzufragen, ob’s auch wirklich so sein soll, und sich auch mal drauf zu verlassen, dass ich’s schon hinkriegen werd‘.

Ich kann jedem, der es überlegt, wirklich empfehlen ein FSJ zu machen. Es war einfach ein super Jahr und ich bin richtig froh, dass ich meine Stelle gefunden hab!

Wie es gerade ist

Nun bin ich schon lange wieder da von der Freizeit und habe trotzdem noch nichts weiter hier geschrieben.

Es ist schräg, jetzt, nicht mehr jeden Tag ins Jugendwerk zu müssen; ich war neulich da, um für das Großevent, bei dem ich jetzt ehrenamtlich mitarbeite, meine Materialien einzupacken… und war verblüfft. Die Küche war aufgeräumt, das haben wir im ganzen letzten Jahr nicht geschafft.

Wir haben auch eine neue Jugendreferentin, die leicht überrascht war, als ich ganz natürlich anfing, die T-Shirt-Bemalfarben aus dem Schrank zu ziehen.

Dabei hatte sie mich und meinen Kumpel, der früher FSJler hier war, schon beim Freizeitmaterial in die Garage einräumen überrascht.

„Äh – was macht ihr in unserer Garage?“
„Wir räumen das Freizeitzeug wieder auf?“
„Aha.“
„Wir kommen gerade von der Freizeit.“
„Dann räumt ihr auch alles wieder da hin wo-“
„Ja, ja, wir wissen bescheid. Sind beides Ex-FSJler.“
(Gesicht hellt sich auf) „Ach so, ja dann…“

Naja, also jedenfalls ist es merkwürdig, ich bin meinen Schlüssel los, ich hab das Passwort für meine Mail-Adresse geändert… Unfassbar, dass schon ein ganzes Jahr vorbei ist.

So, jedenfalls, ist es gerade.

Kinderfreizeit Post III

Morgen schon kehren wir zurück – wir haben’s also fast geschafft. Ein bisschen verging die Zeit wie im Flug. Mein FSJ ist offiziell seit dem 01.09. vorbei – das alles jetzt also ehrenamtlich? Ist ein komisches Gefühl, irgendwie, sich das hier freiwillig zu geben… aber es macht Spaß!

Naja, wenn man nicht gerade das tausendste Mal einer 9-jährigen erklärt, dass es nicht „unfair“ vom Boden war, dass sie darauf ausgerutscht ist, sondern das es nun einmal Pech war. Und wenn sie verläppert ist es auch nicht „unfair“, dass ich ihr die Kanne gegeben habe. Sondern sie ist bloß zu blöd zum Einschenken. Und, dass ich nicht will, dass sie geschminkt rumläuft, aussieht, als wäre sie in einen Farbtopf gefallen.
(„Meine Mama schminkt sich noch viel doller-“ „Das ist mir völlig egal, wasch die Farbe aus deinem Gesicht!“ – „Ich mag mich aber schminken-“ „Ich schmink mich auch, aber eben nicht so!“ – „Aber-“ „Nichts aber.“ – „Das ist voll unfair!“)

Ich bin also schon froh, dass ich morgen Abend wieder in meinem eigenen Bett liege.

Bis dahin, ein letztes Mal Grüße von der Alb!