Wie es gerade ist

Nun bin ich schon lange wieder da von der Freizeit und habe trotzdem noch nichts weiter hier geschrieben.

Es ist schräg, jetzt, nicht mehr jeden Tag ins Jugendwerk zu müssen; ich war neulich da, um für das Großevent, bei dem ich jetzt ehrenamtlich mitarbeite, meine Materialien einzupacken… und war verblüfft. Die Küche war aufgeräumt, das haben wir im ganzen letzten Jahr nicht geschafft.

Wir haben auch eine neue Jugendreferentin, die leicht überrascht war, als ich ganz natürlich anfing, die T-Shirt-Bemalfarben aus dem Schrank zu ziehen.

Dabei hatte sie mich und meinen Kumpel, der früher FSJler hier war, schon beim Freizeitmaterial in die Garage einräumen überrascht.

„Äh – was macht ihr in unserer Garage?“
„Wir räumen das Freizeitzeug wieder auf?“
„Aha.“
„Wir kommen gerade von der Freizeit.“
„Dann räumt ihr auch alles wieder da hin wo-“
„Ja, ja, wir wissen bescheid. Sind beides Ex-FSJler.“
(Gesicht hellt sich auf) „Ach so, ja dann…“

Naja, also jedenfalls ist es merkwürdig, ich bin meinen Schlüssel los, ich hab das Passwort für meine Mail-Adresse geändert… Unfassbar, dass schon ein ganzes Jahr vorbei ist.

So, jedenfalls, ist es gerade.

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Verbrannt

Soll ich eigentlich lachen oder weinen, wenn ich sehe, dass ein geistig behindeter Junge – eine Behinderung, die in seinem Fall durchaus Schwierigkeiten im sozialen Bereich mit sich bringt; sprich, der Junge ist ein absoluter Eigenbrötler – mehr Empathie aufbringt, als ein völlig gesundes Kind?

Da hat sich einer gestern beim Schmieden sehr verbrannt; ich hab letzten Endes die Mutter angerufen, sie möge ihn abholen.

Und währenddessen hat der oben erwähnte eingeschränkte Junge, der dabei war, immer wieder versucht, ihn zu trösten – hat ihm immer wieder über den Arm gestreichelt und versucht, ihn zu umarmen. Ich war begeistert.

Während ein anderes Kind, angeblich des gebrannten Kindes (pun intended) bester Freund ihn immer wieder rief, was für eine tolle Popcornshow man gerade machen würde und er solle kommen – während sich der Verbrannte arg zusammenriss, um nicht zu weinen und seine Hand unter kaltes Wasser hielt.

Ich glaube, ich werde lachen und weinen. Lachen, weil der Junge sich eindeutig in die richtige Richtung entwickelt (die Mutter war beim Abholen auch schwer begeistert) und weinen, weil dem anderen Kind das Einfühlungsvermögen wohl völlig abgeht.

Abschied III

Habe gestern im Büro gefrühstückt mit Chef (Chefs Hund wollte auch, kriegt aber nichts vom Tisch ;) ), unserer Sekretärin und diesem Herrn, den ich glaub nie groß erwähnt habe hier, der mir aber vielleicht der liebste Kollege ist hier.

Jetzt sind alle in Urlaub und ich halte hier noch für eine Woche die Stellung, bis ich dann letzlich auch Urlaub hab. Es bleibt auch noch einiges vorzubereiten für ein Großevent im September wo ich (wer hätt’s gedacht) dann ehrenamtlich dabei bin. Mein Vorgänger hat’s letztes Jahr schon vorausgesagt…

Aber trotzdem. Mit jedem Abschied werde ich melancholischer, dass es schon vorbei ist…

 

Abschied II

Der Abschiedsreigen geht weiter: ich habe für den Kinderkreis Muffins gebacken (was bei dieser Hitze wahrlich kein Vergnügen war). Die Kids waren auch gleich sehr begeistert – es konnte auch jeder mitessen, da ich extra laktosefrei gebacken habe. *sigh*, was man nicht alles macht…

Hier übrigens das Beweismaterial:

Muffins

Danach hab ich sie gleich zum BAK-Grillen mitgenommen, was übrigens Abschied III wäre, aber ich will mal nicht so sein. Man hat mir gleich mal dtv Atlas Recht geschenkt, auf dass ich mich fürs bevorstehende Jura-Studium schon mal vorbilden kann ;) Ich fand’s sehr, sehr nett.

Und traurig macht es mich auch, denn ich werde die Kids sehr vermissen und auch beim BAK sind doch einige Leute dabei, die ich inzwischen durchaus in die Kategorie Freunde einordenen würde und da ist es schon sehr schade, dass es jetzt auseinander geht…

Neuer Spitzname

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Jugendwerks kam heute zum Kopieren vorbei, zusammen mit ihrem Sohn, der das mit dem Sprechen plötzlich im rasanten Tempo entwickelt. Ich erinnere mich an letztes Jahr, als er noch vor sich hin krabbelte und kein Wort sprach außer dem üblichen Baby-Gebrabbel.

Jedenfalls war der Bürohund auch da. („Hund! Da! Ei! Mama – ei! Hund! Da!“)

Am Ende das ausgiebige Abschiedsritual, inklusive viel Streicheln. „Hallo Hund!“

„Nein, wir sagen jetzt Tschüss zum Hund.“

„Schüssss Hund!“

„Und sagen wir zur Corinna auch tschüss?“

Kind guckt mich mit großen Augen an. „Nina… schüsssss!“

Gar nicht schlecht, find ich.

Das war schon IMMER so!

In dem Ort, in dem mein Kinderkreis stattfindet, wird im September ein Dorffest gefeiert. Ist ne große Sache für die Kids, weil das nur alle zwei Jahre stattfindet und außerdem in dem Dorf sonst nichts passiert.
Jedenfalls ist es Tradition, dass die Kinder an diesem Fest ein paar Tänze aufführen. Immer die gleichen Tänze versteht sich, zur ewig gleichen Musik.

Nun muss man wissen, ich tanze seit 15 Jahren und ich tanze ganz ordentlich. Ich hab‘ auch schon für die Theater-AG meiner Schule die Tanzszenen choreographiert – mit anderen Worten, zumindest in diesem Rahmen weiß ich, wovon ich rede.

Die Frau, die diese Tanzgruppe leitet, hingegen, hat Tanzerfahrung = 0. Ist immer sehr verwirrt, wenn ich mitzähle (auf 8, wie man das so macht) und dann feststelle: „Also, letztes Mal sind wir nur zwei 8er gelaufen, dieses Mal sind’s drei  – was denn nun?“

Es gibt einen Tanz, der Minuten lang geht, aber man macht dabei immer nur das Gleiche; die Kinder selbst haben sich schon beschwert, es wäre ihnen langweilig! Also sage ich, wie wäre es denn, wenn wir das Lied ein bisschen kürzen? – „Nein, nein, ich weiß eh nicht wie das geht auf der CD…“
„Ja, auf der CD geht das gar nicht, das müsste man runterziehen, schneiden und neu brennen.“ Kurz überlegt. „Ich mach‘ euch das auch.“ Dann könnte ich gleich die Qualität auch noch ein bisschen auffrischen.
„Also, nein, nein, das haben wir immer schon so gemacht.“
„Aber den Kindern ist langweilig!“
„Das war schon immer so.“

Da hab ich aufgegeben. Wir haben das immer schon so gemacht, war weiterhin das Argument bei allem anderen – „Die Verbeugen sich wie die Bauerntrampel! Beine zusammen und die Mädchen vielleicht knicksen?“ – „Nein, das haben wir schon immer so gemacht.“

Die Kinder tanzen auch konstant zu schnell oder zu langsam; kein Wunder, die haben ja nie gelernt auf Musik zu hören. Also habe ich gesagt, wie wär’s denn, wenn wir da mal eine Übung machen zum Rhythmus? „Das haben die bis zum Fest sonst immer-“
Da hat’s mir gereicht und ich hab ganz kühl geantwortet, „Wäre ja aber auch nicht schlecht, sie könnten das jetzt schon.“
Halb empörter, halb verwirrter Blick und ich ergänze, „Ich bring da nächste Woche mal was mit.“

Und dann mach ich gleich mal eine paar Blätter mit den Choreographien. Damit man in zwei Jahren wenigstens noch sicher weiß, wie genau das denn immer schon war.

Zwei Dumme, ein Gedanke

Ich war am Überlegen, welche Spiele ich im Jugendkreis spielen will. Ich entschied mich nach ein bisschen hin und her dafür, die UNO-Regeln ein bisschen zu erweitern (bei einer blauen 2 die Karten an den rechten Nachbarn weitergeben. Bei einer 7 auf den Kartenstapel hauen u.ä.).

Ich gehe also zu meinem Bruder, um mir von ihm ein UNO-Spiel auszuleihen und erzähle ihm in dem Zuge, was ich plane. Er hatte da gleich noch ein paar Vorschläge für Erweiterungen. Ich frage ihn also, woher er die denn hat? Wann er das denn gespielt habe?

Ja. Auf seiner Konfifreizeit. Vorgeschlagen durch eben jenem Mitarbeiter, der vor mir FSJ hier gemacht hat.

Ich musste so lachen. Das ist nicht das erste Mal, dass mein Vorgänger und ich gleiche Ideen haben – „Das hat der auch immer mit uns gespielt!“ höre ich doch des Öfteren von meinem Kinderkreis.

Tja. Das spricht dann wohl für die Qualität meiner Spielideen.

Und was sag ich da jetzt?

Gestern war ich wieder im Aktivspielhaus; allerdings war’s diesmal weniger lustig.

Einige der Kinder tragen sich auf der Anwesenheitsliste nicht mit einem Wohnort, sondern mit zweien ein. „Ja,“ sagt die Kleinste, „Stimmt doch auch! Ich wohne in AB und in XY!“

„Jetzt heiß ich Müller!“ sagt ihre ‚Schwester‘, „Aber ich hieß auch schon Maier, Schuster und Schulze!“ (*)

Guckt mich an und sagt: „Ja, ich war schon in ganz vielen Pflegefamilien.“

Ich wusste gar nicht so richtig, was ich jetzt sagen soll. Offensichtlich ist es ja für die kein großes, belastendes Thema – denn sonst hätten sie es mir, die sie gerade zwei Wochen kennen, nicht so erzählt – aber was sag ich da jetzt dazu? Ausquetschen will man die Kinder auch nicht, Desinteresse ist auch nicht richtig und nur ‚aha‘ ist auch scheiße.

Meine Gedanken sind den ganzen Abend darum gekreist – mir tun die Kinder so leid! Aber ich kenn die Pflegeeltern über diverse Ecken und weiß, die engagieren sich total für ihre Pflegekinder – sieht man auch daran, dass sie die da immer hin fahren – heißt da geht es ihnen auf jeden Fall gut! Aber trotzdem… Also manchmal, manchmal nimmt mich diese Arbeit schon ein bisschen mit.

* – alle Namen selbstverständlich geändert.

Pizza

Ich versprach nebst Urlaubsbericht auch einen Bericht über unsere BOGY-Praktikantin. BOGY, für alle die’s nicht wissen, ist BerufsOrientierung am GYmnasium, ein Praktikum in der neunten Klasse, das eine Woche dauert. Nur um mal ein bisschen reinzuschnuppern.

Wie vorauszusehen habe ich sie zumindest bis Freitag hauptsächlich beschäftigt. Wir waren zweimal bei der Mülldeponie (zu viel Altpapier), einmal beim Lidl (zu wenig Süßigkeiten) und dreimal beim Baumarkt, because reasons.

Dann hab ich sie natürlich auch noch in meine Gruppen mitgenommen. Jugendkreis am Freitag war relativ unspektakulär (unser Grill ist fertig + funktioniert sehr gut!), aber Trainee am Donnerstag war außergewöhnlich lustig.

Thema war „Interkulturelles Lernen“ und um Integrationsschwierigkeiten darzustellen haben wir das Wörtertauschsspiel gespielt. Wir haben einen „Freiwilligen“ rausgeschickt und dann das Prinzip besprochen: wir unterhalten uns übers Lesen und Bücher, ersetzen aber „Buch“ durch „Pizza“ und „lesen“ durch „essen“. Wenn der „Freiwillige“ wieder reinkommt, versteht der nur Bahnhof.

Nur mal als Beispiel:

Manche Leute essen auch Pizza aufm Klo.

Blöd ist, wenn die Pizza ein offenes Ende hat.

Manchmal esse ich das Ende der Pizza zuerst.

Man kann auch Pizzas ausleihen und sie zurückgeben, wenn man fertig gegessen hat.

Es hat Spaß gemacht. Dem „Freiwilligen“ jetzt weniger, aber dafür allen anderen. Wäre noch besser gewesen, hätte die Praktikantin nicht am nächsten Tag alles noch mal in verbaler Form nach-erlebt und andauernd: „Das war lustig!“ gesagt. Sie ist außerdem Hardcore-Twilight und Hunger-Games Fan.

Sie war ja eigentlich ganz nett, auf die Dauer ein bisschen anstrengend – trotzdem gut, wenn’s ihr gefällt und sie dem Jugendwerk vielleicht erhalten bleibt!

Ich wünsch euch noch einen wunderschönen Abend :)

Chefs Erleuchtung

Rechtschreibung ist nicht des Chefs Stärke. Sie ist auch nicht völlig grottig, aber ich finde regelmäßig Fehler in Sachen, die er schrieb. Und immer wieder ist es bereits zu spät.

„Äh, Chef, willst du die Rechtschreibfehler wissen?“

– „Nein, will ich nicht, ist schon alles in x-facher Ausführung ausgedruckt!“

-.-

Ich jammere schon immer darüber, wie unprofessionell das aussieht, wenn wir Rechtschreibfehler in offiziellen Dokumenten haben. Meistens ignoriert er’s.

Aber heute, als es um eine Art Werbe-/Info-/Nachrichten-Flyer fürs Jugendwerk geht, passiert auf einmal das:

Chef: „Und am Freitag mach ich’s dann fertig, dann kannst du mal drüber gucken und Korrektur lesen, du hast da eh ein besseres Auge als ich.“

Mind = blown.