Der ganz normale Alltagswahnsinn

Weil ich nichts ganz Besonderes zu berichten habe, hier eine Erzählung vom ganz normalen Alltagswahnsinn.

Hab ich jemals erwähnt, dass wir einen Bürohund haben? Sie gehört meinem Chef und ist wirklich ein ganz liebes Tier. Freut sich immer wahnsinnig, wenn jemand kommt, auch und gerade, wenn es neue Leute sind. Besuch findet sie einfach klasse. Wenn Chef mittags mit ihr rausgeht, hüpft sie immer wie ein Flummi vor der Tür auf und ab. Wirklich putzig.

Gestern war ein Paketbote da, ein Herr mit Migrationshintergrund, der der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig war und sich auch nicht wirklich sicher war, bei uns richtig zu sein. Er war richtig.
Naja, als ich ihm gerade erklärte, ja, wir seien das Evangelische Jugendwerk Bezirk XY, bemerkte Chefs Hund den Gast, rannte ausm Büro auf ihn zu und steckte ihm die Schnauze zwischen die Beine. Das macht sie gern. Er kann noch froh sein, dass sie sich nicht auf seinen Fuß gesetzt hat. Er war doch recht verdattert und ich musste sie von ihm wegzerren, Chef hatte das Verschwinden seines Hundes ja nicht bemerkt, oder es hat ihn vielleicht auch nicht groß gekümmert. Kann ich ihm nicht übel nehmen, sie läuft ja auch sonst immer frei im Büro rum, obwohl sie sich bei Chef schon am Wohlsten fühlt.

Heute hatten wir eine ähnliche Situation. Lautstarkes Piepen, da hat jemand unten am Haus geklingelt. Ich will den Hörer abnehmen, wem-auch-immer sagen, dass wir im ersten Stock sind, aber es piept einfach weiter, mir direkt ins Ohr in diesem furchtbaren, lauten Ton. Nach 20 Sekunden hört es endlich auf, auf meine Aussage, wo wir zu finden sind, krieg ich keine Antwort.

Chefs Hund steht mittlerweile schon mit wedelndem Schwanz vor der Tür und wartet. Starrt dabei aber mich an, als ob sie fragen will, warum wer-auch-immer denn noch nicht da ist.
Ich öffne die Tür und es erscheint ein Herr vom Gebäudereinigungsservice in Begleitung der neuen Putzfrau – äh – Reinigungskraft. Die wollten nur schnell sehen, wo was ist, aber Chefs Hund hat sie gleich überfallen. Nur mit Mühe bekam ich sie überhaupt zurück ins Büro. Chef war derweil am telefonieren.

Außerdem hat er sich heute, nachdem ich gestern in studenlanger Arbeit Flipchart-Papiere zusammengeklebt und bemalt hatte, überlegt, dass er den Fragebogen darauf doch in einer anderen Reihenfolge haben will. Ausschneiden und neu zusammenkleben, also… Aber er darf gerade ein bisschen verpeilt sein, er ist ja auch ein bisschen krank.

Nachdem dieser Morgen geschafft war, ich heute nachmittag zum KU3-Unterricht, Vorbereitung des Gottesdienstes am Sonntag mit den Kindern. 10 Minuten versucht, den Sohn einer Tischmutter zu überreden, auch einen Satz vorzulesen, so wie alle anderen Kinder auch. Selbst die Androhung der Mutter „dann darfst du auch auf den Ausflug nicht mit“ konnte ihn nicht dazu bewegen, mit nach vorne zu gehen. Dafür darf ich am Sonntag die Einsetzungsworte zum Abendmahl sprechen. Und Fürbitten.

Nebenbei fahr ich auch immer wieder zur Werkstatt, weil mir eine Bekannte letzten Freitag beim Ausparken ins Auto gefahren ist und sich Informationen (Fahrzeughalter, Versicherung…) nur einzeln aus der Nase ziehen lässt. Wahrscheinlich muss der ganze Kotflügel ausgetauscht werden.

Tja, so ist er nun mal, der Alltagswahnsinn. Ich wünsch euch einen wunderschönen Tag :)

Advertisements